Das Atmungssystem spielt eine zentrale Rolle in der natürlichen Immunabwehr des Pferdes gegenüber Infektionskrankheiten.
Die Reduktion mikroskopischer Verunreinigungen in der unmittelbaren Umgebung des Pferdes ist ein wesentlicher Faktor für den Schutz der Atemwegsgesundheit. Dennoch existieren Einflussgrößen, die sich der Kontrolle des Pferdehalters entziehen, wie etwa der Kontakt mit anderen Pferden, die – häufig unbemerkt – Träger einer Infektionskrankheit sein können.
Unter solchen Bedingungen ist ein stabiles und gesundes inneres Milieu entscheidend, um das Pferd gegen unvermeidliche Krankheitserreger aus der äußeren Umgebung zu schützen.
Da die Nüstern die einzigen Ein- und Austrittsöffnungen des Atemtrakts darstellen, erfolgt die Aufnahme der meisten Erreger über die Nase. Entsprechend kommt den lokalen Abwehrmechanismen der Atemwege eine entscheidende Bedeutung zu. Die erste Verteidigungslinie bilden die Schleimhautzellen, welche die Luftröhre auskleiden und den Luftstrom von der Nase in die Lunge leiten.
Aktuelle Forschungsergebnisse der Universität Gent in Belgien zeigen, dass Pferde mit geschädigten Schleimhautzellen ein signifikant erhöhtes Risiko aufweisen, sich mit einem der gefürchtetsten Erreger zu infizieren: dem equinen Herpesvirus (EHV).

Schutz der Schleimhäute
Das equine Herpesvirus (EHV) ist in der Umwelt des Pferdes weit verbreitet. Insgesamt sind neun verschiedene Stämme bekannt. Mit den meisten Varianten können Pferde problemlos leben, jedoch haben insbesondere seltenere neurologische Formen wiederholt zu schweren, teilweise tödlichen Krankheitsausbrüchen geführt. Zu Beginn dieses Jahres kam es in Europa, Kanada und den Vereinigten Staaten zu mehreren EHV-Ausbrüchen, die unter anderem Turnierstopps zur Folge hatten.
EHV in all seinen Erscheinungsformen fällt in den wissenschaftlichen Zuständigkeitsbereich des Virologen Professor Hans Nauwynck von der Universität Gent. Professor Nauwynck, Autor von über 400 wissenschaftlichen Publikationen und gefragter Referent auf veterinärmedizinischen und virologischen Fachkongressen, betreute die Dissertation von Joolien Van Cleempt, in deren Rahmen diese Ergebnisse gewonnen wurden. Die Untersuchungen befassten sich mit der Rolle der Schleimhäute, luftgetragener Krankheitserreger sowie lungengängiger Schadstoffe im Hinblick auf die Atemwegsgesundheit und die Prävention beziehungsweise Behandlung von Erkrankungen.
Im Rahmen der Studie setzten die Forscher der Universität Gent das Haygain-Hochtemperatur-Heubedampfungsverfahren ein, da Raufutter eine bedeutende Quelle für mikroskopisch kleine, lungengängige Partikel darstellt. EHV ist in der Regel nicht im Heu vorhanden, es sei denn, das Virus wird durch ein infiziertes Pferd oder durch Menschen, die mit dem Heu in Kontakt kommen, übertragen. Das hoch ansteckende Virus verbreitet sich primär durch direkten Kontakt.
Da das Bedampfen mit Haygain-Heubedampfern bis zu 99 % der lungengängigen Partikel im Heu reduziert, trägt dieses Verfahren dazu bei, die Schleimhäute vor Reizstoffen zu schützen, die Entzündungen verursachen und deren Funktion beeinträchtigen können. In zusätzlichen Versuchsreihen bestätigten die Forscher zudem, dass das Virus bei den beim Haygain-Bedampfungsprozess erreichten Temperaturen von etwa 100 °C zuverlässig inaktiviert wird. Für Betriebe, in denen ein infiziertes Pferd betreut wird, kann dies helfen, die weitere Ausbreitung des Virus zu begrenzen. „Das Virus wurde im Haygain vollständig deaktiviert“, so Professor Nauwynck.
Darüber hinaus wies der Virologe darauf hin, dass bedampftes Heu EHV-infizierte Pferde entlasten kann, indem es sie vor zusätzlicher physiologischer Belastung durch andere luftgetragene Partikel schützt, die üblicherweise im Futter vorkommen. „Es ist ein hervorragendes Gerät“, erklärte er. „Wenn ich ein Pferd hätte – oder wenn ich ein Pferd wäre – würde ich Haygain verwenden.“
Die Funktion der Atemwege verstehen
Das Pferd ist ein hochleistungsfähiges, athletisches Tier mit einer außergewöhnlich hohen relativen Sauerstoffaufnahme, die es ihm ermöglicht, über lange Distanzen hohe Geschwindigkeiten zu halten. Sämtliche Komponenten des Atmungssystems sind darauf ausgelegt, große Mengen Sauerstoff aufzunehmen und Kohlendioxid effizient abzugeben.
Ein Pferd in Ruhe atmet etwa 80 Liter Luft pro Minute. Unter maximaler Belastung dauert ein kompletter Atemzug weniger als eine halbe Sekunde, wobei mehr als 1.800 Liter Luft pro Minute durch die Atemwege bewegt werden.
Die Atmung stellt den limitierenden Faktor für die sportliche Leistungsfähigkeit dar. Bereits geringfügige Funktionsstörungen des Atmungssystems können daher zu einer deutlichen Leistungsminderung führen.
Erkrankungen der Atemwege können unter anderem folgende Ursachen haben:
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Infektionen: Equines Herpesvirus, Influenzaviren, Druse, Pneumonie
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Angeborene oder strukturelle Ursachen: Dorsalverlagerung des weichen Gaumens, Kehlkopfhemiplegie, Epiglottiseinklemmung
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Multifaktorielle Ursachen: Entzündliche Atemwegserkrankungen, rezidivierende Atemwegsobstruktion, Asthma
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Umweltfaktoren: Lungengängige Partikel aus Reitplatzböden, unzureichend belüftete Stallungen, Dung, Einstreu, Ammoniak, verkehrsbedingte Luftverschmutzung sowie luftübertragene Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze und Viren
Verteidigungsmechanismen der Atemwege
Zum Schutz vor diesen Belastungen verfügen die Atemwege über mehrere immunologische Barrieren. Dazu zählen Schleim, feste interzelluläre Verbindungen sowie die Produktion spezifischer Immunzellen und antimikrobieller Peptide.
Schleim übernimmt dabei eine zentrale Schutzfunktion, da er antimikrobielle, antioxidative und antiproteolytische Eigenschaften besitzt. Er bindet Krankheitserreger, Staubpartikel und Gase aus der Atemluft und verhindert deren Eindringen in die unteren Atemwege.
Die interzellulären Verbindungen sichern die strukturelle Integrität der Epithelzellen, die sämtliche inneren und äußeren Körperoberflächen auskleiden. Sie regulieren den molekularen und zellulären Transport und bilden eine physische Barriere gegen das Eindringen von Pathogenen.
Auch nicht-pathogene Partikel können die Funktion der Atemwegsabwehr beeinträchtigen. Gelangen feine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf Mikrometern in die oberen Atemwege oder die Lunge, können sie Entzündungsreaktionen auslösen. Diese führen zu einer Verengung der Atemwege, beeinträchtigen den Sauerstoffaustausch zwischen Lunge und Blutkreislauf und behindern die Abgabe von Kohlendioxid.
Durch die deutliche Reduktion dieser Partikel im Futter unterstützt bedampftes Heu von Haygain die Atemfunktion sowohl bei gesunden als auch bei erkrankten Pferden.
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Von Kim Miller | Pferdesport-Autorin
11th November 2021